Die deutsche Energiewende




Ergänzungen
Anfang 2022: 
 
Klimaschutzkonzept
Daten update


Hinter diesem Titel verbirgt sich:

Energiekonzept
Neun Punkte für eine umweltschonende, zuverlässige
  und bezahlbare Energieversorgung

Entwurf des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie und des
Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit

6 September 2010

Dieses Energiekonzept stützt sich auf die Empfehlungen nicht genannter, externer Gutachter, welche verschiedene, nicht weiter spezifizierte Szenarien1) untersucht haben. Aus den Resultaten hat die Bundesregierung 2010 Richtlinien entwickelt, denen sie und alle folgenden Regierungen folgen müssen, um die Energieversorgung der BRD bis zum Jahr 2050 zu sichern. Am 26. November ist das vorgelegte Konzept vom Bundesrat als "erneuerbares Energien Gesetz" (EEG)  abschließend genehmigt worden und schon Anfang 2011 soll es in Kraft treten, obwohl bereits einige Länder ihren Einspruch beim Bundesverfassungsgericht dagegen angekündigt haben. Wegen der vielen Schwachstellen des Konzepts ist ebenso unsicher, ob die folgenden Regierungen in der Lage sein werden, die angestrebten Ziele tatsächlich zu erreichen. Trotzdem muss anerkannt werden, dass sich (nach meiner Kenntnis zum ersten Mal) eine amtierende Regierung ernsthaft Gedanken zur Energieversorgung in Zeiten schwindender fossiler Energieressourcen gemacht hat.

Die wesentlichen Zielvorgaben des Konzepts sind:
  1. Die Reduktion des deutschen Primärenergiebedarfs (PEB) von 100% im Jahr 2008 auf 50% bis zum Jahr 2050.
  2. Die Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien am deutschen Endenergiebedarf (EEB) auf 60% bis zum Jahr 2050. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der elektrischen Energieversorgung soll bis dahin auf 80% steigen.
  3. Die Reduktion der CO2 Emissionen bis zum Jahre 2050 auf 80%  - 95% des Werts, welchen diese im Jahr 1990 besaßen.
Um diese Ziele zu erreichen, sollen
  1. die Restlaufzeiten der deutschen Kernkraftwerke (KKW) im Mittel um 12 Jahre verlängert werden,
  2. Wind- und Bioenergie als Hauptträger erneuerbarer Energien umfassend ausgebaut werden,
  3. die Sanierungsquote von Altbauten auf jährlich 2% erhöht werden,
  4. der Umstieg auf die Elektromobilität gefördert werden,
  5. die energetische Infrastruktur, insbesondere das Stromnetz von Nord nach Süd, erweitert werden.
Mehr auf das Prinzip Hoffnung, denn auf Sicherheit setzen die folgenden Punkte
  1. Energiespeicheranlagen müssen gebaut werden.
  2. Die Energieeffizienz muss durch neue Technologien erhöht werden.
  3. Existierende fossile Kraftwerke müssen mit CCS-Technologie ausgestattet oder neue müssen gebaut werden.
Bei diesen letzten 3 Punkten handelt es sich um Luftbuchungen und das vorgelegte Energiekonzept verlangt, dass neue Forschungsvorhaben und Entwicklungsprojekte in diesen Bereichen gestartet werden. Das erfordert Zeit und Geld, und das Ergebnis dieser Bemühungen ist keineswegs sicher. Und insofern lässt sich jetzt auch nicht darüber diskutieren, ob das angestrebte Ziel (III) bis zum Jahr 2050 wirklich erreicht werden kann.

Diskutabel sind aber die Ziele (I) und (II), welche eine Umstrukturierung der deutschen Energieversorgung beinhalten, welche ohnehin durch das Ende der fossilen Energieträger Erdöl und Erdgas erzwungen werden wird. Sind diese Zielvorgaben realistisch? Leider macht das Energiekonzept in dieser Hinsicht nur eine klare Aussage2), nämlich die Vorgabe zur Halbierung des PEB bis zum Jahr 2050.

Im Jahr 2008 hatte die Bundesrepublik Deutschland einen Primärenergiebedarf von
 PEB(2008) = 3.94 · 1012 kWh a-1.
Also soll im Jahr 2050 der Bedarf nur noch
PEB(2050) = 2 · 1012 kWh a-1.
betragen. Die zeitliche Entwicklung des PEB nach den Vorgaben des Energiekonzepts sind in der Abbildung rechts dargestellt, und zwar nach der Modifizierung des Konzepts im Jahr seines Inkrafttretens. Die Coronakrise ist i.W. der Grund, dass im Jahr 2020 die tatsächliche Entwicklung und die Zielvorgaben nahezu übereinstimmten. Da ein enger Zusammenhang zwischen dem Bruttoinlandprodukt (BIP) und dem PEB besteht, muss die Reduktion des letzteren auch Auswirkungen auf das BIP zur Folge haben.

Es ist sehr unwahrscheinlich dass eine deutsche Regierung es wagt, eine Absenkung des BIP vorzuschlagen. Vielmehr muss man davon ausgehen, dass sie eine jährliche Steigerung um mindesten 1% in ihr Kalkül einbezieht. Im Jahr 2008 erwirtschaftete die Bundesrepublik Deutschland ein Bruttoinlandprodukt von
 BIP(2008) = 2.274 · 1012 € a-1.
Also muss sich dieses bis zum Jahr 2050 auf
BIP(2050) > 3.5 · 1012 € a-1.
erhöht haben. Die Energieeffizienz im Jahr 2050 muss daher
e_e  > 1.5 € kWh-1
betragen. Die zeitliche Entwicklung der deutschen Energieeffizienz seit dem Jahr 1990 ist in der Abbildung rechts gezeigt zusammen mit dem unteren Wert, der gemäß des Energiekonzepts für 2050 erwartet wird. Ganz offensichtlich unterscheiden sich beide etwa um einen Faktor 2, wenn die Daten linear in das Jahr 2050 extrapoliert werden.

Die vom Energiekonzept angenommene  Entwicklung des deutschen Primärenergiebedarfs (farbig) und die tatsächliche Entwicklung bis zum Jahr 2020 (braune Kurve).  Der Beitrag erneuerbarer Energien zur Versorgung mit elektrischer Energie ist hellgrün gehalten.3)


Die Entwicklung der deutschen Energieeffizienz und ihre lineare Extrapolation ins Jahr 2050. Die graue Fläche entspricht den Werten, die in dem Energiekonzept erwartet werden.
Eine Verdoppelung der Energieeffizienz ist zwar prinzipiell nicht unmöglich, aber das Energiekonzept sollte bei einem derart wichtigen Problem nachvollziehbar darlegen, auf welcher Basis sich diese Verdoppelung ergeben sollte.
 Oder geht die Bundesregierung etwa von einer Abnahme der deutschen Bevölkerung und ihres Wohlstands aus?
Diese Frage ist keineswegs so provokant, wie sie zunächst erscheint. Denn vergleicht man die Zielvorgaben des Energiekonzepts mit denen des Öko-Reports, so sind diese im Wesentlichen gleich. Aber was im Energiekonzept mit der nichts sagenden Floskel "Steigerung der Energieeffizienz" umschrieben wird, das wird in dem Öko-Report mit dem Wort benannt, das die Zielvorgabe wahrhaftig beschreibt: "Energieeinsparungen".

Auch sind die Zielvorgaben des Öko-Reports moderater als die des Energiekonzepts, sie erstrecken sich allerdings auch nur auf eine Laufzeit von fast 30 Jahren, verglichen mit den fast 40 Jahren des Energiekonzepts. Bezüglich der Bedeutung erneuerbarer Energien geht der Öko-Report von einem 20% Anteil zum Ende der Laufzeit aus, während dieser im Energiekonzept 50% betragen soll4). Dieser mehr als doppelt so hohe Anteil soll dann zu 80% im Wesentlichen von der elektrischen Energie aus Windkraftanlagen gedeckt werden, 20% werden durch Bioenergie gedeckt. Dass die Erzeugung der dafür benötigten Biomasse auf der Fläche Deutschlands allein unmöglich ist, wird in dem Energiekonzept eingestanden. Der Ausgleich soll durch Importe aus dem Ausland erfolgen, so wie ja schon heute die fossilen Energieträger aus dem Ausland importiert werden.

Die im Jahr 2050 von deutschen Windkraftanlagen zu liefernde Leistung soll eine Größe von etwa 0.5 · 1012 kWh a-1 erreichen. Da der Kapazitätsfaktor von Windkraftanlagen in Deutschland (ähnlich wie in dem Rest der Welt) nur etwa  = 0.23 beträgt, muss die installierte Leistung aller Windkraftanlagen zur Mitte des 21. Jahrhunderts
P = 2.2 · 1012 kWh a-1
betragen. Gegenüber dem Jahr 2009 mit 21164 errichteten Windkraftanlagen entspricht das einer Steigerung um den Faktor 10, wobei die meisten der neu zu errichtenden Anlagen wohl off-shore Anlagen sein werden. Die 1. deutsche off-shore Windanlage (Alpha-Ventus) hatte einen Investitionsbedarf von 250 · 106 € und eine installierte Leistung von etwas weniger als 5.3 · 108 kWh a-1. Daher müssten bis zum Jahr 2050
  • etwa 4150 derartige Anlagen gebaut werden,
  •  etwa 1000 Mrd€ allein in diese Anlagen investiert werden.
Diese Zahlen sind so außerordentlich, dass man sich wundert, wenn in dem Energiekonzept von einem Investitionsbedarf von nur 20 Mrd€ jährlich die Rede ist, welcher für die Realisierung des gesamten Energiekonzepts benötigt wird. Was sind die Grundlagen für diese Berechnung?

Aber auch in anderer Hinsicht ist das Energiekonzept unbefriedigend. Denn um eine  Technologie durch eine andere zu ersetzen, werden nicht nur Investitionsmittel benötigt, sondern während der Aufbauphase tritt auch eine Erhöhung des Primärenergiebedarfs ein. Wie groß die Erhöhung sein wird, hängt von den Umständen ab und wurde kürzlich untersucht: Bei optimistischen Annahmen ca. 110% der zu ersetzenden Energie, bei pessimistischen Annahmen ca. 175%. Wie auch immer, diese zusätzlichen Anforderungen an die Energieversorgung werden mit keinem Wort in dem Energiekonzept erwähnt.

Ebenso unerwähnt bleibt der zusätzliche Energiebedarf, der bei der Energiespeicherung entsteht. Das Energiekonzept vermerkt immerhin, dass für die effizienteste Speichertechnologie (Pumpspeicherkraftwerke) in Deutschland nicht die erforderliche Anzahl von geeigneten Lokalitäten existiert. Vorgeschlagen wird, derartige Energiespeicher statt dessen in Norwegen und Österreich zu errichten. Abgesehen von der politischen Problematik vergrößert diese Lösung die Transportwege der elektrischen Energie und damit die Verluste. Es ist nicht sehr pessimistisch, wenn unter diesen Umständen den Energiespeichern mit all ihrer Infrastruktur nur ein Speicherwirkungsgrad von = 0.4 zugeordnet wird.  Den zu erwartenden Speicherbedarf habe ich hier berechnet: Er beträgt S = 51 TWh. Man vergleiche diesen Wert mit den Kapazitäten der Wasserkraftwerke in Norwegen (138.5 TWh) und Österreich (32.5 TWh), der den Eigenbedarf dieser Länder deckt. Glaubt jemand allen Ernstes, dass unter diesen Bedingungen diese beiden Länder den deutschen Überschuss an elektrischer Energie aus erneuerbaren Quellen speichern würden? Ganz abgesehen davon, dass es sich um Wasser- und nicht um Pumpspeicherkraftwerke handelt.

Natürlich kommt auch die Bundesregierung in ihrem Energiekonzept zu dem Schluss, "dass Deutschland langfristig einen erheblichen Anteil seines Strombedarfs aus erneuerbaren Quellen durch Importe decken muss"5). Und in diesem Zusammenhang wird auch das von der deutschen Industrie initiierte DESERTEC-Projekt erwähnt. Aber so am Rande, dass man den Eindruck gewinnt, die Regierung stehe nicht wirklich hinter diesem Projekt. Es sieht ganz so aus, als hätte sie wenigstens an dieser Stelle Realitätssinn gezeigt: Nur 5 Jahre nach der Gründung im Jahr 2009 ist das Projekt praktisch gestorben, ohne je aus dem Planungsstadium herausgekommen zu sein6).  Wie überhaupt die direkte Nutzung der Solarenergie mittels Fotovoltaik in dem Energiekonzept keine Rolle spielt7). Aber dann befindet sich das gesamte Energiekonzept in einem Zwiespalt: Soll Deutschland in erneuerbare Energien im Ausland investieren, oder soll Deutschland das anderen Staaten überlassen und dann die Energie teuer importieren (und sich in beiden Fällen in die Abhängigkeit vom Ausland begeben)? Eine eindeutige Aussage darüber sucht man vergebens. Die angestrebten Investitionen von nur 20 Mrd€ jährlich lassen vermuten, dass der 2. Möglichkeit der Vorrang eingeräumt wird.

Insgesamt betrachtet ist das Energiekonzept nichts mehr "als ein Kompass ...,  der unter bestimmten  Annahmen die Richtung zur Zielerreichung angibt".  Daraus folgen die  Absichtserklärungen der Bundesregierung, welche mit jedem Wechsel der Regierung verändert oder aufgehoben werden können und daher wohl nicht den tatsächlichen Weg in die Mitte des 21. Jahrhunderts festlegen. Diese Zweifel werden vom Bundesrechnungshof geteilt, der nicht sieht, wie das BMWi in Zukunft die Versorgungssicherheit mit elektrischer Energie auf Grundlage des EEG garantieren kann. Und selbst bei Umweltschützern dämmert langsam die Erkenntnis, dass diese Energiewende nicht nachhaltig sein kann. Und dazu passt dann eben auch, dass laut einer Umfrage im Jahr 2015 nur noch 29% der deutschen Bevölkerung diese Energiewende unterstützen, die restlichen 71% aber entweder dagegen sind (27%) oder einer ambivalente (29%) oder gar keine (15%) Meinung vertreten. Politiker sind besonders anfällig für des Volkes Stimme, und so ist es auch nicht verwunderlich, dass der ehemalige Wirtschaftsminister Gabriel bereits 2014 bekannte, dass "die Energiewende kurz vor dem Scheitern steht".

Aber gibt es ein anderes Konzept für ein Land, das diskussionslos jegliche Mitarbeit an der Entwicklung neuer Nukleartechnologien8) verweigert und gleichzeitig die selbst gestellten Klimaauflagen erfüllen muss? So gesehen, handelt es sich bei dem vorgelegten Energiekonzept um eine leicht modifizierte Variante des Öko-Reports mit seinen Sparvorgaben bezüglich des deutschen Energiebedarfs. Der Öko-Report entstand vor nunmehr fast 20 Jahren und hat seine Ziele nicht erreicht. Sollen wir glauben, dass das Energiekonzept in den folgenden 40 Jahren ein besseres Schicksal erlebt? Nein, denn die klimatischen Gegebenheiten sprechen eindeutig dagegen - und die Bevölkerung begreift langsam, dass sie einer medial vermarkteten Schimäre aufgesessen ist.

Die Möglichkeit,  dieses Energiekonzept zu realisieren, muss daher kritisch hinterfragt werden. Und noch kritischer sollten wir werden, wenn in manchen politischen Zirkeln der BRD ein noch größerer Anteil erneuerbarer Energien als erreichbares Ziel postuliert wird. Ein Vergleich mit den Energiekonzepten für Regionen, welche aufgrund ihrer Geografie einen viel leichteren Zugang zu erneuerbaren Energien haben, kann dabei sehr hilfreich sein. Und dann gibt es Industrieregionen (z.B die Provinzen Ontario in Kanada oder South Australia in Australien), in denen die Umstellung von der Kohle auf erneuerbare Energien (hauptsächlich Wasser- bzw. Windkraft) bereits erfolgt ist und dies einerseits zu einer Verdopplung der Strompreise (wie in Deutschland) oder zu einem totalen Netzausfall (noch nicht in Deutschland) geführt hat.

Alles nur Makulatur?

Ausgelöst durch das Reaktorunglück in Fukushima, ist die deutsche Regierung unter Kanzlerin Merkel so in Panik geraten, dass sie nach nur 3 Monaten ihr, vom Parlament bereits gebilligtes Energiekonzept gleich wieder in Frage stellt: Die Kernkrafttechnik ist über Nacht vom Status der "Brückentechnologie" zu etwas abgesunken, das man möglichst umgehend los werden möchte. Also sollen alle KKWs in Deutschland bis spätestens 2022 abgeschaltet sein, wobei die 8 ältesten nach dem Moratorium gar nicht erst wieder ans Netz gehen werden. Letzteres entspricht ungefähr dem Vorschlag, welchen die KKW-Betreiber selbst gemacht hatten, um die Einführung der Brennelementesteuer zu verhindern. Die Auswirkungen dieses Vorschlags auf den deutschen Energiemarkt habe ich schon untersucht, diese führen sicherlich nicht in die sofortige Katastrophe. Die Frage allerdings, wie der vollständige Verlust der restlichen KKW in weniger als 1 Jahr kompensiert werden soll, erscheint mir nicht schlüssig beantwortet und verstärkt nur die Kritik an dem Energiekonzept insgesamt. Auf jeden Fall haben die Energieunternehmen klar gemacht, dass sie die Laufzeiten dieser KKW nicht verlängern werden.

Wie urteilen unsere Nachbarstaaten?

Durch die Abschaltung aller KKWs (bis auf die letzten 3, die Ende 2022 auch abgeschaltet werden) sinkt die deutsche Grundlastversorgung, sie wird ersetzt durch Schwankungslast. Für den europäischen Stromnetzverbund hat das gravierende Folgen, welche von der Bundesregierung nicht berücksichtigt wurden und auch weiterhin nicht werden:

Frankreich musste bisher im Winter Grundlast aus Deutschland importieren, weil seine eigene KKW-Leistung nicht ausreichte, um den Heizungsbedarf der französischen Haushalte zu decken. Die Unterversorgung wird noch bedrohlicher, wenn französische KKWs wegen Reparaturarbeiten vom Netz genommen werden müssen, wie Ende 2016 geschehen. Denn wegen der niedrigen Preise werde französische Häuser stärker mit elektrischer Energie beheizt, als in Deutschland. Die Folge ist, dass die französischen Pläne zum langfristigen Abbau der eigenen KKWs in der Schublade verschwanden. Ganz im Gegenteil, Frankreich plant seit 2021 einen weiteren Zubau von KKWs für seine autonome Energieversorgung, um nicht abhängig von ausländischen Produzenten zu werden.
Da das deutsche Leitungsnetz für den Stromtransport aus norddeutschen Windkraftanlagen nach Süddeutschland zu schwach ist, wird dieser Strom durch Polen/Tschechien umgeleitet und überlastet deren Netze. Beide Länder haben damit gedroht, die Weiterleitung mithilfe von Phasenschiebern zu unterbinden, um ihre eigene Versorgungssicherheit nicht zu gefährden. Phasenschieber sind bereits installiert in den Netzverbindungen nach Frankreich,Belgien und Holland. Polen ist 2016 noch einen Schritt weiter gegangen: Es hat seine Pläne für "grünen Strom" gestoppt und setzt nun wieder verstärkt auf den nicht-fluktuierenden Strom aus Kohle- und Kernkraftwerken, da polnischen Stromengpässe durch "grünen Strom" aus Deutschland nicht mehr ausgeglichen werden können.

Aber unter unseren Nachbarn gibt es auch Gewinner, z.B. Norwegen: Der "Nordlink" wurde im Jahr 2021 fertig gestellt und seitdem kann elektrische Überschussenergie von Deutschland nach Norwegen transportiert werden. Im Energiekonzept firmiert dies noch als Speicheroption, was jedoch geschieht ist, dass Norwegen deutsche Energie billig einkauft und später die Energie aus norwegischen WKW teuer an Deutschland verkauft. Mit anderen Worten: Der deutsche Privatabnehmer mitfinanziert über die EEG-Abgabe die Energieversorgung seiner Nachbarstaaten. Und das ist keine geringe Summe: Nach Abschätzungen zahlt jeder deutsche Haushalt z.Z. etwa 270€ pro Jahr für die Energiewende.

Diese Nachteile, aber auch Vorteile, welche Nachbarstaaten durch die deutsche Energiewende erfahren, kann die EU nicht übersehen. Sie hat daher 2021 ihr eigenes Regelwerk (genannt Taxonomie) entworfen mit dem Ziel, die Finanzierung der "erneuerbaren Energien" für alle Mitgliedsstaaten verbindlich zu regulieren. Zu den, von der Taxonomie erlaubten Anlagen gehören auch Kernkraft- und Gaskraftwerke, zum Entsetzen der seit 2022 in Deutschland regierenden AMPEL-Koalition (siehe unten). Sie wird aber wohl nicht verhindern können, dass die Taxonomie in der EU zum Gesetz und dann auch für die BRD verbindlich wird.

Das eigentliche Problem ist aber nicht so sehr die unausgegorene deutsche Energiepolitik, sondern eine chaotische Regierung, die sich ihrer eigenen Pläne9) nicht sicher ist und diese, je nach öffentlicher Stimmungslage, widerruft und verändert. Und dies nicht auf einem Nebenschauplatz, wie z.B. den rauchfreien Zonen in Kneipen, sondern dort, wo es entscheidend ist für die wirtschaftliche Entwicklung und einen gesicherten Wohlstand in Deutschland. Ein eklatantes Beispiel ist das "Konzept Zivile Verteidigung (KZV)", das 2016 überarbeitet wurde und die Bundesbürger auffordert, sich einen Notvorrat für 14 Tage anzulegen für den Fall, dass die deutsche Elektrizitätsversorgung zusammenbricht. Als Grund Cyberattacken zu benennen, ist vorgeschoben - von größerer Bedeutung für einen Netzzusammenbruch ist das deutsche Energiekonzept: Seit "grüner Strom" in Deutschland einen Anteil von ca. 30% im Jahr 2015 erreicht hat
  • sind die Subventionen für den "grünen Strom" kontinuierlich gestiegen,
  • musste von den Netzbetreibern immer häufiger in das Stromnetz eingegriffen werden, um die Versorgung zu stabilisieren.
In diesem Zusammenhang ist erwähnenswert, dass Großbritannien vor ähnlichen Problemen steht und darauf mir einer alternativen Energiewende antwortet.

Seit dem Jahr 2022 hat Deutschland eine neue Regierung, gebildet von der sog. AMPEL-Koalition. Für die Energiewende verantwortlich ist seitdem nicht mehr der "Minister für Wirtschaft und Energie", sondern der "Minister für Wirtschaft und Klimaschutz". Und sinngemäß wurde das "Energiekonzept" ersetzt durch das "KLimaschutzkonzept", auf das ich in einem späteren Kapitel eingehen werde.


1) Im internet einzusehen ist das Szenarium des "Bundesverband Erneuerbare Energien" (BEE), auf das ich in einem eigenen Kapitel eingehen werde. Da der BEE an den Beratungen der Bundesregierung teilgenommen hat, ist wohl davon auszugehen, dass dieses Szenarium bei der Aufstellung des Energiekonzepts eine wichtige Rolle gespielt hat.
2) Es ist recht merkwürdig, dass in einem Energiekonzept jegliche Angaben fehlen, welche auch die Angabe der Energieeinheit (J oder kWh) erfordern. Falls absolute Angaben gemacht werden, handelt es sich um Investitionen (Einheit €), alle anderen Angaben sind relativ (Einheit %). Das lässt vermuten, das es sich bei den "Externen Gutachtern" im Wesentlichen um Ökonomen gehandelt hat. Um die Zielvorgaben des Konzepts zu analysieren, ist man daher auf Zusatzinformationen angewiesen. Diese habe ich ausschließlich der Datensammlung des BMWi entnommen, obwohl sich gezeigt hatte, dass diese in Einzelfällen auch von denen internationaler Organisationen abweichen können.
3) Dieses Bild ist missverständlich, denn es zeigt nur die Bedarfsseite, nicht aber die Angebotsseite! Bei der Energieversorgung gilt nicht mehr die ökonomische Grundregel, dass sich Bedarf und Angebot über den Preis einpendeln: Erneuerbare Energien sind eine minderwertige Energieform, ihre Nutzung verlangt, dass das Angebot mindestens 2mal größer ist als der Bedarf, bei steigenden Preisen!
4) Um dies zu berechnen, habe ich angenommen, dass der Nutzungsgrad der Wandlung des PEB nach EEB von derzeit = 0.65 auf = 0.81 bis zum Jahr 2050 ansteigen wird. Der Grund ist, dass die Bedeutung der elektrischen Energie bei der Energieversorgung stetig steigen wird.
5) Gemeint ist natürlich der Import von "erneuerbaren Energien". Dass aber, wenn in Deutschland der Wind nicht bläst, er auch in unseren Nachbarländern nicht bläst, wird völlig übersehen. Dieses grüne Postulat - Energieschwankungen lassen sich durch ein europäische Supergrid ausgleichen - hat sich längst als Utopie erwiesen.
6) Als "offspring" des deutschen DESERTEC  Projekts kann man das marokkanische Kraftwerk NOOR sehen, das 2016 ans Netz gehen sollte.
7) Diese Einschätzung sollte sich allgemein durchsetzen: Seine geografische Lage macht Deutschland ungeeignet für die Wandlung der Solarenergie per Fotodioden in elektrische Energie.
8) Da in anderen Ländern diese Technologie nicht derart tabuisiert ist, kann es durchaus geschehen, dass Deutschland zur Mitte des 21. Jahrhunderts seine benötigte Energie aus Ländern mit einer großen Anzahl von Nuklearanlagen importieren muss.
9) Was sind eigentlich die Pläne dieser Regierung? Wer kein Pläne hat, wird niemals erfolgreich sein. Und der alleinige Plan, die nächste Wahl zu gewinnen und an der Macht zu bleiben, die eigentliche Politik aber sog. "Ethikkommissionen" zu überlassen, das ist nicht ausreichend und wird scheitern. Und auch der Plan, mit dem Energiekonzept das "Klima zu retten", ist kläglich gescheitert.