Vergleich
zwischen
Preisentwicklung und
Abbau
|
Uran ist, nach den Prognosen in Energie2, der fossile
Energieträger mit der kürzesten Reichweite. Dies ergibt sich
aus den bekannten Uranreserven, die im Jahr 2000 noch etwa 2.73
· 109 kg betrugen. Diese Mächtigkeiten
haben die Lagerstätten mit einer Urankonzentration, die einen
Uranabbau zu einem Preis von weniger als 100 US$(2011) kg-1
gestatten. Werden höhere Preise toleriert, vergrößert
sich die Mächtigkeit der Uranreserven, da dann auch noch
Lagerstätten mit einer geringeren Urankonzentration abgebaut
werden könnten. Diese Vergrößerung der Uranreserven ist
jedoch nur von hypothetischem Wert und nicht real. In Energie2
wurde dies am Beispiel der Urankonzentration im Meerwasser
verdeutlicht, dem ein theoretisch unbegrenzter Uranvorrat entspricht,
der aber praktisch nicht abgebaut werden kann.
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Die
Entwicklung
der Uranpreise seit 1980 bis zum Jahr 2011 wurden zwei
verschiedenen Quellen entnommen, einer Veröffentlichung der Bundesanstalt
für
Geowissenschaften
und Rohstoffe und
der Ux
Consulting Company. Für die Umrechnung
wurde folgende Formel benutzt:
1 kg natürlichem U3O8
entsprechen 1.35
· 105 kWh.
Vergleicht man dies mit der entsprechenden Formel für z.B. die
Kohle, dann wird die extrem hohe Energiedichte der Kernenergie
deutlich, auf die in Energie2
wiederholt hingewiesen wurde. Der Uranabbau wurde in Energie2
mithilfe der Wachstumsfunktion parametrisiert, die dafür benutzten
Parameter sind:
 = 8 a , R = 0.07.
| Nach der Entdeckung der
Kernspaltung wurde diese fossile Energiequelle zu Beginn
ausschließlich militärisch, d.h. zur Kernwaffenherstellung,
genutzt. Am Anfang der zivilen Nutzung betrug der Uranpreis ca. 22 US$
kg-1. In den Jahren 1979/80, während
der Ölkrise, erfolgte ein drastischer Preisanstieg auf bis zu 180
US$ kg-1 (Dollarwert von 2011), da die gestiegene Nachfrage
nach Uran zunächst nicht von
der abgebauten Menge befriedigt werden konnte, zumal auch weiterhin ein
hoher Bedarf nach Uran vom Militär ausging.
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Entwicklung des
Uranabbaus (gestrichelte Kurve, rechte Skala) und der Uranpreise
(ausgezogene Kurve, linke Skala). Man beachte die Einheit der linken
Skala
|
Die Folge war eine
Vergrößerung des Abbaus auf eine jährliche Menge von
bis zu 70000 t Uran. Darauf sank der Uranpreis bis zum Jahr 1992 wieder
auf einen Wert von ca. 15 US$ kg-1 und der Abbau verringerte
sich auf einen Wert von ca. 40000 t Uran. Die Gründe für
diese Reduktionen liegen sicherlich auch in den Kernwaffenabkommen
zwischen Russland und den USA, wodurch
- die militärische Nachfrage nach Uran praktisch
verschwand,
- die Uranbestände aus den abgerüsteten Kernwaffen
auf den zivilen Markt drängten.
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Dieses unterschiedliche
Verhalten von Uranabbau und der zivilen Urannachfrage ist in der
rechten Abbildung
klar zu erkennen: Während bis zum Jahr 1990 der Uranabbau immer
größer
war als die zivile Nachfrage, hat sich dieses Verhalten danach
umgekehrt und im Jahr 2000 überstieg die Nachfrage den Abbau um
ca. 50%. Wie prekär die Versorgungssituation im Jahr 2006 bereits
war, ergibt sich aus der Tabelle unten. |

Der jährliche Abbau
von natürlichem Uran (gelb-rote Fläche) und der jährliche Bedarf für die zivile Nutzung (schwarze und
graue Kurven). Die Daten nach
2006 beruhen auf Schätzungen,
u.a.
mithilfe der Wachstumsfunktion. |
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USA
|
F
|
J
|
RUS
|
D
|
ROK
|
GB
|
Rest
|
Uranbedarf
(1012 kWh a-1)
|
2.55
|
1.42
|
1.03
|
0.45
|
0.45
|
0.42
|
0.30
|
2.09
|
Eigenabbau
(1012 kWh a-1) |
0.27
|
0
|
0
|
0.54
|
0.009
|
0
|
0
|
5.44
|
Defizit
(%)
|
+89
|
+100
|
+100
|
-20
|
+98
|
+100
|
+100
|
-160
|
Die 7 Staaten mit dem
höchsten Uranbedarf und dem Defizit ihres Eigenabbaus.
Dass trotzdem kein Engpass in der Versorgung mit Uran auftrat,
ist den militärischen Uranvorräten zu verdanken, die
plötzlich
zur Verfügung standen. Das ist natürlich
keine
langfristige Lösung und spätestens nach 2020 wird die
Nachfrage auf diese Art nicht mehr zu befriedigen sein, weil ab diesem
Zeitpunkt
auch der Abbau gemäß der Wachstumsfunktion2)
zurückgehen
wird.
|
Ist der
Preisanstieg für Uran seit 2005 bereits ein Hinweis auf die sich
abzeichnende Verknappung? Immerhin ist dieser Anstieg der stärkste
unter allen fossilen
Energieträgern, er übersteigt sogar den für Erdöl.
Damit wird der Uranpreis wesentlich größer als die
angenommenen Abbaukosten von 100 US$
kg-1 und weniger profitable Uranmimen könnten
erschlossen werden. Der Vergleich mit anderen fossilen
Energieträgern zeigt aber auch, dass der Preis für
elektrische Energie aus einem Kernkraftwerk im Wesentlichen durch die
Investitions-, Betriebs- und Entsorgungskosten bestimmt werden, die
reinen Brennstoffkosten spielen z.Z. bei der Preiskalkulation
keine
so große
Rolle. Insofern scheitert die Ausweitung des Uranabbaus auch nicht an
den hohen Kosten,
sondern an den sozio-politischen Schwierigkeiten: Man kann nicht den
Schwarzwald abtragen, um die restlichen dort lagernden
Uranbestände
zu gewinnen. Siehe hierzu auch als weiteres Beispiel den Uranabbau aus
Meerwasser, der in Energie2
behandelt ist.
|
Welchen zusätzlichen
Einfluss die öffentliche Ablehnung der
Kernenergie
in einigen Industrieländern hat, ist nicht sicher festzustellen.
Denn die Ablehnung der Kernenergie ist kein globales Phänomen: Zur
Zeit (Juni 2011) sind 60 neue KKW weltweit im Bau. Gemessen
an der Wachstumsfunktion2)
von
Uran stellt die Spaltung von 235U trotzdem kein
tragfähiges
Konzept für eine zukünftige Energieversorgung dar. Aber die
Frage bleibt offen, auf welchen Annahmen die Entscheidung für
den
Bau dieser neuen KKW beruhen und wie ihre Versorgung mit
Spaltmaterial gesichert werden soll. Denn
die Kernenergie bietet noch andere Möglichkeiten, auf deren
Entwicklung wir in Kap.4.2
eingehen
werden.
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1) Ux 2011
enthält die Preise für U3O8 von 1980
bis zum
Mai 2011, sie wurden für die Abbildung inflationsbereinigt
bezüglich 2011. Als mittleren Preis für das Jahr 2011 haben
wir 57
US$/lb angenommen.
2) Die prognostizierten, jährlichen
Uranabbaumengen
ergeben
sich aus dem Differentialquotienten der
Wachstumsfunktion nach der Zeit. Dabei entspricht das Abbaumaximum
einem
Wert von 7.6 · 1012 kWh a-1.
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