Informationen,
die im Zusammenhang mit dem Begriff "Energie" stehen, erscheinen immer
häufiger in den Medien. Sei es, dass über die
Rohölpreise berichtet wird, oder dass ein Zusammenhang zwischen
dem zu beobachtenden Klimawechsel und dem steigenden Bedarf nach
fossilen Brennstoffen hergestellt wird. Dabei ist das, was mit
dem Wort "Energie" gemeint ist, keineswegs immer klar. In der
Umgangssprache ist es zum Beispiel üblich, mit der Floskel "es
kostet mich viel Energie, dieses oder jenes zu tun" nur
auszudrücken, dass ich dieses oder jenes nicht tun mag, obwohl der
Energiebedarf für dieses Tun oft nur sehr gering ist. Ebenso
findet man öfters in der Presse Mitteilungen, die verraten, dass
der Schreiber dieser Mitteilung eigentlich nicht versteht, was er uns
mitteilen will. Auch dafür ein Beispiel.
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Die
physikalische Messgröße "Energie" ist viel unanschaulicher
als die
physikalischen Messgrößen "Masse" oder "Länge", die wir
sehen,
schmecken oder ertasten können. Auch für die Wärme haben
wir ein
Sinnesorgan (die Haut), aber erst im 19. Jahrhundert wurde erkannt,
dass Wärme nur eine besondere Form der Energie ist. Daher die
Vieldeutigkeiten, die mit dem Begriff "Energie" verbunden sind: Jeder
stellt sich unter Energie etwas Anderes vor, aber in der Physik ist die
Energie eine eindeutig definierte Größe und lässt keine
Vieldeutigkeiten zu.
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Kürzlich konnte man
in einer Heidelberger Tageszeitung lesen, dass eine Fotovoltaikanlage
"die größte und mit 240000 Euro Baukosten auch die teuerste"
Anlage sei und "mit dieser Fotovoltaikanlage 41000 Kilowattstunden
Strom produziert werden, was dem Jahresbedarf von 12
Einfamilienhäusern entspricht". Abgesehen davon, dass aus dieser
Mitteilung eine gewisse Vorliebe erkennbar ist, mit möglichst
großen Zahlen zu imponieren, ist dem Schreiber offensichtlich
auch nicht bewusst, dass "Kilowattstunden" nicht eine Stromeinheit ist
und dass für die Fotovoltaikanlage nicht der gelieferte Strom,
sondern die gelieferte elektrische Leistung maßgeblich ist,
welche die Einheit "Kilowattstunden pro Jahr" besitzt. Und
am Ende fragt man sich erstaunt, warum mit dieser "größten
Anlage" nur 12 Einfamilienhäuser versorgt werden können, mit
was sie versorgt werden und was eigentlich mit den zugesagten 41000
Kilowattstunden geschieht, wenn die Sonne nicht scheint.
Dabei ist die Energie einer unserer wichtigsten, wenn nicht sogar der
wichtigste Rohstoff, und die noch verfügbare Menge an diesem
Rohstoff scheint immer geringer zu werden. Daher ist das
Verständnis darüber, was Energie bedeutet und wie wichtig
dieser Rohstoff für unsere Zukunft ist, entscheidend für die
Fähigkeit der jetzt heranwachsenden Generation, die Probleme der
Zukunft zu meistern. Diese Probleme betreffen nicht nur unsere
eigentliche Versorgung mit Energie, sondern auch die wirtschaftliche
Entwicklung in der Welt und die Veränderungen in unserer Umwelt.
Ziel der Vorlesung war es, einem breiten Kreis von Studenten
der Universität Heidelberg zu vermitteln, was mit dem Wort
"Energie" gemeint ist und in welchen Zusammenhängen die Energie
mit anderen Größen in unserem Leben steht. Denn die Energie
ist eine physikalische Messgröße, ihre Bedeutung ist
eindeutig definiert und ihr Zusammenhang mit anderen
Messgrößen wird durch physikalische Gesetze beschrieben und
bestimmt. Insofern sind Aussagen zur Energie nur richtig, wenn sie
diese Gesetze nicht verletzen. Und insofern müssen Aussagen
über eine zukünftige Versorgung mit Energie immer diesen
Gesetzen Rechnung tragen. Den Teilnehmern der Vorlesung, und das waren
neben Studenten auch viele interessierte Bürger aus Heidelberg,
sollte das Grundwissen über diese Zusammenhänge vermittelt
werden.
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