Fotovoltaik in Spanien

Die eingestrahlte Sonnenenergie über Spanien ist etwa doppelt so groß wie die über Deutschland, und die Strahlung ist zu fast 100% direkt -> Spanien besitzt für die Wandlung der Solarenergie in elektrische Energie viel bessere Voraussetzungen als Deutschland. Folgerichtig versucht der spanische Staat seit ca. 2007 die entsprechenden Wandlungstechniken, insbesondere die Fotovoltaik(= PV), als festen Bestandteil mit wachsendem Anteil in die Energieversorgung zu integrieren. Dies ist deutlich in der Abbildung rechts zu erkennen, welche die Zunahme der PV-Beiträge zur elektrischen Energieversorgung jedes Einwohners in der Welt und in ausgesuchten Ländern miteinander vergleicht. Diese individuellen Entwicklungen sind in Spanien und Deutschland  ähnlich verlaufen: Nach einem rasanten Anstieg scheinen sie spätestens seit 2015 bzw. 2019 ihren Zenit erreicht zu haben.
Die jährlich eingespeiste PV-Leistung pro Einwohner in der Welt und einigen Ländern (enthält auch Gezeiten und Wellen mit minimalen Beiträgen).
Ganz anders in den USA und der Welt insgesamt: Der Anstieg der PV-Nutzung scheint sich ungebremst fortzusetzen.
Analog waren auch die eingesetzten Methoden zur Einführung der erneuerbaren Energien in Spanien den deutschen sehr ähnlich:
 Eine staatliche Subventionierung der Einspeisung von elektrischer Energie aus PV-Anlagen in das Elektrizitätsnetz.
Die entsprechenden Gesetze unterscheiden sich nur im Detail von dem deutschen EEG. Die Frage ist dann: Ist Spanien, wegen seiner günstigeren Voraussetzungen, bei diesem Vorhaben erfolgreicher gewesen als Deutschland?
In der Tabelle rechts wird die Anteile der erneuerbaren Energien an der Versorgung mit elektrischer Energie im Jahr 2019 verglichen. Zwar ist der prozentuale Anteil der erneuerbaren Energien insgesamt in Deutschland etwas größer als in Spanien, aber gerade bei der PV unterscheiden sich diese Anteile nur geringfügig - sie sind klein. Dabei war in diesem Jahr  die installierte Kapazität der deutschen PV-Anlagen mehr als 4mal so groß wie die der spanischen Anlagen:

429 TWh a-1 gegen 96 TWh a-1.

Deutschland
Spanien
Wasser
3%
9%
Wind
21%
20%
Sonne
8%
6%
Rest*)
8%
2%
total
40%
37%
*)Im Wesentlichen Biomasse
Anteile der erneuerbaren Energien an der Elektrizitätsversorgung im Jahr 2015.
Dass mit dieser wesentlich geringeren Kapazität der PV-Anlagen in Spanien trotzdem ein gleich hoher Deckungsgrad erreicht wurde, hat 2 Gründe:
  1. Der Bedarf an elektrischer Energie in Deutschland war etwa doppelt so groß wie in Spanien
    612 TWh a-1 gegen 276 TWh a-1.
  2. Wegen der geringeren Sonneneinstrahlung ist der Kapazitätsfaktor von PV-Anlagen in Deutschland nur etwa halb so groß wie in Spanien:
    = 0.11 gegen  = 0.22.
Dies sind die physikalischen Rahmenbedingungen, unter denen sich die PV in Spanien und Deutschland entwickeln kann. Sie sind günstiger für Spanien, aber hat dies zu einer nachhaltigeren Entwicklung geführt?

Keineswegs, denn die spanischen Probleme sind denen in Deutschland sehr ähnlich:
  • Die staatlichen Subventionen führten zu einem Überangebot von neu errichteten PV-Anlagen, deren Gestehungskosten im Wesentlichen von Banken und privaten Investoren finanziert wurden. Im Prinzip wurde damit öffentlicher Wohlstand in wenige Hände umgeleitet - wahrscheinlich einer der Gründe, warum Spanien heute noch an den Folgen der Finanzkrise von 2008 leidet. Als der Staat daraufhin im Jahr 2013 die Subventionen für neue PV-Anlagen stoppte und die für Altanlagen kürzte, führte dies zu einer Klagewelle der Wenigen, die bis dahin von diesen Subventionen allein profitiert hatten.
  • Der Staat hatte gehofft, dass mit dem Aufbau einer PV-Industrie neue, hochqualifizierte Arbeitsplätze geschafft werden könnten. Dies hat sich nicht bewahrheitet, ähnlich wie in Deutschland mussten auch in Spanien die dort ansässigen PV-Unternehmen T-Solar und Celcelis Konkurs anmelden.
  • Insgesamt hat die staatliche Subventionspolitik bezüglich der PV zu einer Erhöhung der Strompreise geführt, so dass die spanischen Unternehmen mit hohem Energiebedarf auf den internationalen Märkten nicht mehr konkurrieren können und damit drohen, ihre Betriebe in Länder mit geringeren Stromkosten zu verlagern.
Die Probleme, welche in Spanien bei der Einführung der PV-Technologie entstanden, führen die Autoren Prieto und Hall auf den äußerst geringen EROI-Faktor von nur 2.45 zurück, der in Spanien erreicht wurde. Ein stabiles wirtschaftliches Wachstum werde erst mit EROI > 10 erreicht, der charakteristisch ist für die fossilen Energieträger. Gelten diese Berechnungen auch für Deutschland, so würde, wegen des geringeren Kapazitätsfaktors, der EROI-Faktor in Deutschland nur
EROI 1.5
betragen. Mit anderen Worten: Ohne die Unterstützung durch Energiewandlungsanlagen mit höherem EROI-Faktor (meist auf fossiler Basis) ist die PV auch in Deutschland nicht lebensfähig und, wenn man diese Unterstützung berücksichtigt, auch nicht nachhaltig.